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artour | MDR FERNSEHEN | 21.06.2007 | 22:05 Uhr
"Bahn unterm Hammer"
Wohin geht die Reise mit der Deutschen Bahn?
In
Großbritannien wurde die Bahn vor zwölf Jahren privatisiert, in der
Hoffnung, der Zufluss frischen Kapitals werde den Schienenverkehr
modernisieren. So wurde das Staatsunternehmen British Rail aufgelöst
und an private Betreiber verkauft. Die staatlichen Subventionen an die
privaten Unternehmen stiegen seither ebenso an wie die Zahl schwerer
Unfälle. Die Investoren kassierten in nur acht Jahren Profite von mehr
als 15 Milliarden Euro. 2003 ging die Netzgesellschaft Railtrack
Pleite. So musste die Infrastruktur erneut verstaatlicht werden. Laut
britischer Regierung sind mehr als 100 Milliarden Euro erforderlich, um
das heruntergewirtschaftete Schienenetz instandzusetzen. Ist das auch
unsere Zukunft?
Schweizer Modell
Die englischen
Erfahrungen müssen vielfach dafür herhalten, wenn Experten und Verbände
heute dafür plädieren, die Bahn zu verkaufen. Unser Nachbarland Schweiz
zeigt, wie es anders geht. Dort ist die Bahn öffentlich. Und man kommt
mit ihr bis in die hintersten Winkel bergiger Regionen. Die Schweizer
nutzen ihre Bahn sechsmal häufiger als wir Deutschen. Und ausgerechnet
in diesem gebirgigen Land kostet die Bahn den Steuerzahler am
allerwenigsten in ganz Europa.
Bis jetzt fand kein
deutscher Fernsehsender den Mut, über dieses Beispiel zu berichten. Nun
meldet sich das MDR-Kulturmagazin "artour" zu Wort. Der Beitrag
beschäftigt sich mit dem Dokumentarfilm "Bahn unterm Hammer", von dem
international renommierten Filmemacher-Team Leslie Franke und Herdolor
Lorenz produziert, und mit der "Jahrhundert-Entscheidung"("Süddeutsche
Zeitung") über die Privatisierung der Deutschen Bahn als Mogelpackung.
Die
Filmpremiere fand Mitte März 2007 statt. Seitdem läuft die
Dokumentation mehr im Westen als im Osten Deutschlands (nur in
Chemnitz, Jena und Rostock). Der Filmverleih sucht weiter nach
engagierten Cineasten, die den Film in Kinos, Kirchen,
Gewerkschaftshäusern, Schulen, Universitäten und Jugendhäusern
zeigen. Denn es geht nicht nur um die Deutsche Bahn. Es geht um
Tradition, um die Zukunft einer bequemen und wichtigen Reisemöglichkeit
und es geht um unsere Steuergelder, die hoffentlich nicht als
Milliarden-Profite in einige wenige Taschen wandern.
http://www.mdr.de/artour/4594666.html
zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2007 | 11:49
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